“Wir kommen sofort”, erwiderten die Spartaner, als der athenische Bote Pheidippides vor ihnen stand und um Hilfe gegen das gewaltige Heer der Perser nachsuchte.

Dann warteten sie aber lieber doch den nächsten Vollmond ab und kamen drei Tage zu spät auf dem Schlachtfeld von Marathon an. Dort blickten sie auf die von den siegreichen Athenern zurück gelassenen Leichen der geschlagenen Perser, nickten anerkennend und gingen wieder heim.

Derart im Stich gelassen war das Tischtuch zwischen Athen und Sparta für alle Zeit zerschnitten. Aus den einstmals miteinander verbündeten, mächtigen Stadtstaaten des antiken Griechenland wurden Rivalen, später Feinde, bis beide ausgezehrt waren und verblühten.

Städterivalitäten sind also kein Phänomen unserer Tage, sondern haben ihre Wurzeln in alter Zeit. Heute sind die Ursachen für die Konkurrenzen jedoch selten so offenkundig wie im Konflikt der beiden Großmächte des fünften vorchristlichen Jahrhunderts. Dafür aber oft deutlich banaler.

Zwietracht im Rathaus und auf dem Rasen

So ist es zwischen Dortmund und Gelsenkirchen lediglich der Bundesligafußball, der unversöhnlich entzweit. Auch die spanischen Metropolen Madrid und Barcelona arbeiten die Verletzungen der verwehrten katalanischen Unabhängigkeit regelmäßig auf dem Rasen ab.

In anderer Weise säten politisch-formale Entscheidungen Zwietracht unter benachbarten Städten, denen ein gutes Verhältnis eigentlich so nahe liegen sollte wie sie einander. Weder die ehemals freie Reichstadt Köln noch Braunschweig als Residenzstadt Heinrich des Löwen konnten es verwinden, dass ihnen mit Gründung der Bundesländer die Mittbewerber Düsseldorf und Hannover den Rang als Landeshauptstädte abliefen.

Um darüber hinweg zu kommen nahm sich Köln ersatzweise der neuen Bundeshauptstadt an wie eine mütterliche Golden Retriever-Dame ein verwaistes Rehkitz. Der Flughafen Köln-Bonn und die regelmäßige Berichterstattung im Bonner Generalanzeiger über die (Miss)erfolge des Kölner FC sind Zeugnisse dieser Adoption.

Bonn liegt dafür wiederum seinerseits im Clinch mit dem rechtsrheinischen Beuel, weil die sich damals bei der Finanzierung der ersten Rheinbrücke der Gegend einen schlanken Fuß gemacht hatten. Das weithin bekannte Brückenmännchen zeigt den Beuelern zum Dank den entblößten Hintern. Als wäre das nicht Demütigung genug, wurde Beuel darüber hinaus nach Bonn eingemeindet.

Inkorporation und Amalgamierung

Denn nichts zerrt so sehr an der eigenen kommunalpatriotischen Identität als die Einverleibung oder Verschmelzung mit einer Nachbargemeinde.

Als man im Jahr 1929 eine neue städtische Legierung vergoss, die man im darauf folgenden Jahr als Ergebnis einer Bürgerbefragung „Wuppertal“ nannte, verband man mit der ehemals wohlhabenden Textilstadt Elberfeld und der Arbeiterstadt Barmen Elemente, die zunächst nicht zueinander gehören wollten.

Als nicht lebensfähige Kreatur erwies sich die „Stadt Lahn“, die in den 70ern aus den Körperteilen des akademischen Gießen und dem industriellen Wetzlar zusammengenäht wurde. Nur 31 Monate ließ man diesen Freak so vor sich hinvegetieren, bis man ihn aus Mitleid wieder auseinander schnitt und beide Teile ihrer Wege gehen ließ.

„Krieh die Kränk, Offebach!“

Beim Blick über den Main trauten die Frankfurter im Jahr 1414 ihren Augen nicht, als sie bemerkten, dass der niedere Landadel der Umgebung Offenbach befestigen wollte.
Dabei war das Burgrecht bislang Frankfurter Privileg und in seinen Mauern fand nur derjenige Schutz, der sich einmal jährlich bei der Erhaltung der Wehranlagen befleißigte.
Eine Eingabe beim Kaiser blieb fruchtlos. Zu allem Überfluss bezog im Dreißigjährigen Krieg der Schwedenkönig ausgerechnet im Offenbacher Schloss Quartier und subordinierte von dort aus Frankfurt.

Zwar weiß das heute niemand mehr, aber die Fehde zwischen der großen Messestadt und der kleineren Stadt des Lederhandwerks nahm damals ihren Anfang, wurde mit großem Fleiß bis heute über Generationen mit Piesackereien und Seitenhieben erweitert und wird alljährlich zu Fastnacht auf beiden Seiten des Mains reanimiert.

Entsprechend schwollen neulich an beiden Ufern die Hahnenkämme, als in einer Polemik einer Frankfurter Tageszeitung der Gedanke aufgeworfen wurde Offenbach in „Frankfurt-Südost“ umzubenennen, um die dort schlecht zu vermarktenden Quartiere mit dem Adelstitel „Frankfurt“ aufzuwerten.

Natürlich handelte es sich hier um bloße Provokation um die Reize zu stimulieren, denn sowohl nördlich als auch südlich des Stromes ist man sich sicher, dass vorher Villariba dem Rivalen Villabajo freiwillig verraten würde, mit welcher Fettlöseformel man die Paellapfannen so schnell sauber kriegt.

Frankfurter Ansichten

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